
Norwegen vs. England: Vorschau auf das Viertelfinale
Norwegen und England treffen am 11. Juli im WM-Viertelfinale aufeinander – mit einem Platz unter den letzten Vier als Belohnung. Es ist eine Begegnung, die zwei der torreichsten Angriffsstärken des Turniers zusammenbringt – sowie zwei der herausragenden Individualscorer – und die zu einem wirklich offenen Schlagabtausch werden sollte.
Der Weg dorthin
Norwegen schloss die Gruppe I als Zweiter mit sechs Punkten aus drei Spielen ab, mit zwei Siegen und einer Niederlage. Die einzige Niederlage kassierte man gegen Frankreich, ein 1:4, das den tatsächlichen Schaden etwas beschönigt – zuvor hatte man bereits Senegal 3:2 und den Irak 4:1 besiegt und damit die Qualifikation gesichert. Seitdem folgten dem Gruppenausscheiden aufeinanderfolgende Siege in der K.-o.-Runde: 2:1 gegen die Elfenbeinküste im Achtelfinale und zuletzt erneut 2:1 gegen Brasilien im Viertelfinale. Fünf Siege aus den letzten fünf Spielen in allen Wettbewerben sprechen für sich.
England gewann die Gruppe L mit sieben Punkten, mit Siegen über Panama (2:0) und Kroatien (4:2) sowie einem torlosen Remis gegen Ghana. Im Achtelfinale wurde man von Mexiko hart gefordert, gewann aber noch 3:2 – und trifft nun im Viertelfinale auf Norwegen. Die Gegentorquote von lediglich zwei kassierten Treffern in der Gruppenphase spiegelt eine defensive Stabilität wider, die in der K.-o.-Runde jedoch etwas auf die Probe gestellt wurde.
Norwegens Gefahr
Die zentrale Frage für jeden Norwegen-Gegner ist einfach: Wie stoppt man Erling Haaland? Mit sieben Toren in diesem Turnier steht er gemeinsam mit Kylian Mbappé auf dem zweiten Platz der Torjägerliste – einen Treffer hinter Lionel Messis acht. Norwegen hat in den drei Gruppenspielen insgesamt acht Tore erzielt und diese Form in die K.-o.-Phase mitgenommen. Haalands Bewegung und Abschlussstärke waren dabei das Herzstück von allem.
Was Norwegen so schwer zu beplanen macht, ist die Tatsache, dass die Torgefahr nicht ausschließlich von Haaland abhängt. Die drei Tore gegen Senegal und die vier gegen den Irak entstanden durch Beiträge aus dem gesamten Kader, und die Bereitschaft, Gegentore zu akzeptieren – sieben in der Gruppenphase –, deutet auf eine Mannschaft hin, die nicht auf Absicherung setzt.
Englands Ausgewogenheit
Englands Gefahr verteilt sich breiter. Harry Kane führt die Torjägerliste der eigenen Mannschaft mit sechs Turniertoren an und liegt damit insgesamt auf dem vierten Platz. Jude Bellingham steuert vier Tore bei, womit England zu den wenigen Mannschaften gehört, die gleich zwei Spieler unter den zehn besten Torschützen haben. Der 4:2-Sieg über Kroatien zeigte, dass man in der Lage ist, frei zu treffen; die defensive Disziplin in der Gruppenphase – nur zwei Gegentore in drei Spielen – belegt die andere Seite ihres Spiels.
Die Sorge für England wird sein, diese defensive Ordnung gegen eine Mannschaft aufrechtzuerhalten, die so direkt spielt wie Norwegen. Haaland hinter einer hoch stehenden Abwehrlinie ist ein Problem, an dem schon besser vorbereitete Teams gescheitert sind.
Prognose
Beide Mannschaften besitzen echte Torbedrohung, und keine von beiden hat bislang eine Tendenz gezeigt, sich hinten reinzustellen. Norwegens Torbilanz von 4:2 in der K.-o.-Runde und Englands 7:4 in derselben Phase lassen darauf schließen, dass Tore wahrscheinlich sind. Der entscheidende Faktor könnte davon abhängen, ob England einen Weg findet, Haalands Versorgung zu unterbinden – und dabei die Kombination aus Kane und Bellingham, die gemeinsam zehn Tore erzielt haben, zu nutzen, um Norwegens Bereitschaft, Räume zu öffnen, auszunutzen.
Alles in allem verleihen Englands etwas stabilere Defensivbilanz und ihre Erfahrung im Umgang mit dem Druck von K.-o.-Spielen ihnen einen knappen Vorteil. Doch Haalands sieben Turniertore bedeuten, dass Norwegen in keinem Spiel aus dem Rennen ist, solange er auf dem Platz steht.